Verein zur Förderung der Pfarrgemeinde Uedelhoven e.V.


Peter KirwelAuf dieser Seite stellt Ihnen unser Vereinsmitglied Peter Kirwel - links im Bild - regelmäßig den oder die “Heilige(n) des Monats” vor, und zwar - Zitat des Autors - “zum Teil durchaus kontrovers und mal ganz anders, aber immer rheinisch-katholisch”.

Manchmal wird auch kein Heiliger sondern ein Fest kommentiert. Aber so genau sehen wir das an dieser Stelle nicht...

In diesem Sinne viel Spaß beim Lesen!

 

 

Februar 2012

Heiliger des Monats Februar 2012: Paul Miki

Fest: 6. Februar

Einer der Schutzpatrone Japans

Hl. Paul Miki

Paul Miki; Bildtafel in der Kathedrale von Yokohama

Als am 09. August 1945 um 11:02 Uhr über der japanischen Stadt Nagasaki eine amerikanische Atombombe explodiert, ist das Hauptziel eigentlich ein Rüstungsbetrieb der Firma Mitsubishi. Tatsächlich liegt im Zentrum der alles tötenden, alles zerstörenden Explosion eine der wenigen katholischen Kirchen Japans, erst 20 Jahre zuvor fertiggestellt. Zwei Botschaften des Westens an die Welt, die spirituelle der Liebe unter den Menschen und die politische der Dominanz durch technische Überlegenheit, treffen in der Vernichtung aufeinander.

400 Jahre vor diesem Tag des Schreckens war Japan auf dem besten Weg, ein ganz und gar christlicher Staat zu werden. Nach den Anfängen durch Franz Xaver (siehe Heiliger des Monats Dezember 2011) hatten sich Jesuiten und Franziskaner sehr bemüht und die Message der Liebe, des Ausgleichs, der Gemeinschaft der Gotteskinder gefiel im Land der aufgehenden Sonne so ganz und gar, dass die Missionare mit der gewünschten Unterrichtung kaum hinterherkamen. Ganze Gegenden im Süden Japans wenden sich dem Christentum zu, von den einfachen Bauern bis hin zu den herrschenden Schichten. Gepredigt wird in der Landessprache, japanische Sitten werden integriert, einige Jahrzehnte geht das so erstaunlich friedlich.

Zwei Botschaften des Westens an die Welt – die eine will man schon, die andere jedoch nicht. Die autokratischen Militärmachthaber Japans schauen irritiert auf die südlich benachbarten Philippinen. Auch dort breitet sich das Christentum mit überwältigendem Tempo aus – aber zugleich werden diese Inseln mehr und mehr zu spanischen Kolonien. Diese Entwicklung läuft dabei weniger als Eroberung ab, die Spanier integrieren die alten Eliten in ihr System – und die Wirtschaft kommt dabei mächtig in Schwung. Importe quer über den Pazifik aus dem ebenfalls spanisch beeinflussten Mexiko, Handel mit China und ganz Südostasien, Exporte in alle Welt.

Die Bürger Japans wollen genau das auch: Christentum und mehr Wohlstand für alle durch Globalisierung. Bis hier hin ein Märchen, fast schon zu schön. Die Realität holt uns ein. Angst vor zu großem Einfluss fremder Mächte, Neid auf den neuen Reichtum der christlichen Provinzen, die Möglichkeiten purer Gewalt: der Shogun, Japans Herrscher, beschließt die Ermordung der führenden Köpfe der christlichen Gemeinden, die Ausweisung aller Ausländer, die Unterdrückung der daraufhin teils aufständischen südlichen Provinzen. Wie in den schlimmsten Zeiten des römischen Reiches ist das Christsein unter Todesstrafe verboten. In den nächsten Jahrzehnten sterben zehntausende, ein kleiner Rest (die „verborgenen Christen“) bleibt durch die Jahrhunderte beim Glauben, offenbart sich erst in freieren Zeiten.

Paul Miki, unser Heiliger des Monats, ist nur einer von vielen Märtyrern. Sein Vater, ein in Japan bekannter Kriegsheld, ist unter den ersten Getauften, sein Sohn wächst schon als Christ auf, wird Jesuit und erfolgreicher Prediger. Nach der Verhaftung treibt man ihn und zwei Dutzend andere japanische und fremde Christen unter ständigen Quälereien in bitterer Kälte von Kyoto über 900 Kilometer barfuß nach Nagasaki, der Hochburg des christlichen Japan. Dort werden sie alle am 05. Februar 1597 um 10 Uhr morgens öffentlich gekreuzigt. Trotz Ausgangssperre an diesem Tag kommen 4.000 Menschen, um mit den Märtyrern zu beten.

In der Folge isoliert sich das Land komplett, igelt sich ein, hegt und pflegt einen völlig überspannten Nationalismus (man hat ja keinen Vergleich), der im 20. Jahrhundert schließlich die Grundlage für eine Herrenmenschen-Ideologie bildet, die ganz Ostasien unter die Fuchtel zu zwingen versucht, nur in Hitler einen Verbündeten findet – und, siehe den Anfang des Artikels, katastrophal scheitert. Der lange, tödliche Bann gegen alles Christliche wirkt in Japan heute noch nach – in kaum einem Land der Welt gibt es so wenige Christen, wohl nur 1% der Bevölkerung. Gern wird heute ja „regional“ als positives Gegenbild zur bösen Globalisierung verstanden – und natürlich ist es wahr, dass das Zusammenwachsen der Welt Stress macht. Aber genau dieses Einswerden unseres blauen Planeten ist der Traum für unsere Zukunft, nicht dumpfbackig-engstirniges Hinter-dem-Ofen-hocken, schon gar nicht sich abschottender Nationalismus.

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Januar 2012

Heilige des Monats Januar 2012: Paula von Rom

Fest: 26. Januar

Paula von Rom

Francisco de Zubarán: Paula und Eustochia mit Hieronymus, um 1640, National Gallery of Art in Washington

Im 4. Jahrhundert, das Christentum war gerade verwirrend schnell aus Schmuddelecke des Untergrunds zur Staatsreligion aufgestiegen, machte sich der sprachbegabte Christ Hieronymus an eine einheitliche, im ganzen römischen Reich allen verständliche Ausgabe der Bibel.    Er mußte dafür die vorhandenen lateinischen Übersetzungen auftreiben und miteinander vergleichen, sowie an Hand des griechischen bzw. hebräischen Originals eine neue, korrekte, gut benutzbare und in der Sprache klare Übersetzung herstellen. Dieses Unternehmen brauchte lange Jahre und viel Mühe, führte aber zum Erfolg: als „die Allgemeine“ (lateinisch „Vulgata“) wurde seine Übersetzung zum Bestseller und verdrängte die fehlerhaften älteren Versuche.

Insbesondere für diesen sehr verdienstvollen Geniestreich wurde Hieronymus durch die Jahrhunderte verehrt, er gilt bis heute mit Ambrosius von Mailand, Augustinus und Papst Gregor als einer der 4 lateinischen Kirchenväter, Stützen des ganzen Kirchengebäudes.

So steht das in den Geschichtsbüchern, so stimmt das auch, und keiner fragt sich, was fehlt. Wenn ich mir heute eine ebenfalls löbliche Aufgabe vornähme, z.B. die Geschichte meines kleinen Eifeldorfes mal so richtig gründlich aus den Urkunden heraus hieb- und stichfest darzustellen, wäre dieser Traum am anderen Morgen schon wieder ausgeträumt - wenn der Wecker geht, einen ins Büro ruft, Geld verdienen, schnöde Realität. Aber halt – höre ich da „Geld“? – Oh yeah, it´s money, that matters, aufgewacht Kinder, ohne Moos war auch früher nix los. Wir nähern uns der Sache mit großen Schritten.

Die Eltern einer jungen römischen Dame namens Paula stammten aus den Familien der Cornelier und Gracchen, ihr Mann war ein Julier. Die ganze Blase ist reich wie der Scheich, denen kommt seit einem halben Jahrtausend das Geld nur so aus den Ohren. Mit 22 Jahren ist Paula dann bereits Witwe und Mutter mehrerer Kinder, der Tod ist halt allgegenwärtig. Kein Problem, da kuckt man sich den nächsten Goldfasan aus und lässt es weiter krachen, in Rom gehen die Lichter nicht aus, the show must go on. Das machen die anderen Reichen so, ob Christenbub oder Heidenmädchen, warum nicht auch Paulinchen. Aber in der jungen christlichen Witwe arbeitet es, sie will sinnvoll wirken. Natürlich Breitspur, Adel verpflichtet.

Nachdem Sie eine Zeitlang die Armen Roms hartnäckig betüddelt hat (was andere ihr Leben lang machen, in Rom werden die Bettler nicht alle), lernt die mittlerweile dezent gelangweilte Paula den flotten Hieronymus kennen, der ihr erstens von seinem Bomben-Projekt „Standard-Bibel“ vorschwärmt und der zweitens unbestrittener Superstar aller frommen Damenkränzchen der Hauptstadt ist. Paula sieht sofort und glasklar das Team des Jahrhunderts vor ihrem inneren Auge: Hieronymus, der hat Ziele und Köpfchen, und sie, sie hat die Kohle.

So geht das dann: als Hieronymus ins Heilige Land zieht und in der Nähe von Bethlehem seine Denkerstirn kräuselt, wäre ihm das Denken vermutlich schnell wieder vergangen, denn „voller Bauch studiert nicht gern“, aber leerer noch viel weniger – wenn er nicht seine allesvermögende Sponsorin gehabt hätte. Paula schnappt sich eine ihrer Töchter (und ein bisschen Dienerschaft), gibt den Rest in der Kita ab und dampft nach Palästina. Sie lässt für Hieronymus und seinen Clan ein Männer- und ein Frauenkloster bauen, finanziert alles und jeden 20 Jahre lang, und wird nach ihrem Tod am 26. Januar 404 von Bischöfen in die Kirche zur Totenmesse getragen.

Ehrlicherweise sollte auf jeder der zigtausend Hieronymus-Statuen der Kirchen und Museen dieser Welt stehen „Hieronymus, gesponsert von Paula“, und auf jeder Ausgabe der Vulgata „Paula-Ausgabe, übersetzt von Hieronymus“ – man sollte überhaupt mehr über Geld reden, das fördert den Durchblick und klare Verhältnisse.

Bertold Brecht schildert in seinem Gedicht „Die Legende von der Entstehung des Buches Tao Te King auf dem Weg des Laotse in die Emigration“, wie ein Zollbeamter den des Landes verwiesenen Weisen Laotse eine Woche lang samt Diener durchfüttert, bis dieser seine Weisheit niedergeschrieben hat und schließt:

„Aber rühmen wir nicht nur den Weisen
Dessen Name auf dem Buche prangt!
Denn man muss dem Weisen seine Weisheit erst entreißen.
Drum sei der Zöllner auch bedankt
Er hat sie ihm abverlangt.“
 

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Dezember 2011

Heiliger des Monats Dezember 2011: Franz Xavier

Fest: 3. Dezember

Patron Indiens, der Seefahrer und der Missionare

Franz Xavier bei der Taufe

Franz Xavier bei der Taufe, St.Veit in Krumau

Wenn jemand alle „normalen“ Lebensziele wie Wein, Weib und Gesang, Kinder, Haus, Geld und bequemes Leben sausen lässt, sehen wir als Otto Normalverbraucher darin frustrierende Selbstverleugnung und würden uns das nicht freiwillig antun. Diese Einschätzung teilte mit uns der studierte und wohlhabende spanische Adlige Franz Xavier bis zu seinem 28. Lebensjahr uneingeschränkt und handelte auch danach. Bis ihn sein ebenfalls Franz benamster Freund aus Loyola, der spätere Gründer des Jesuitenordens, mit gescheiter geistlicher Lektüre in den Sommerurlaub schickte: und zurück kam ein neuer Mensch, ein Heiliger. So schnell geht das manchmal, wenn sich jemand frei macht, ein Ballon ohne Ballast steigt hoch.

Genau so war es Jahre vorher auch dem Heißsporn aus Loyola selbst ergangen, dem tollkühnen, todesverliebten Offizier. In einer Schlacht, in der alle Vernünftigen schon aufgeben wollten, ganz unnötig noch schwer verwundet, las er gelangweilt im Krankenbett Heiligenlegenden (weil nichts anderes da war) – und verstand: was ist der Kampf gegen warmduschende weicheirige französische Söldner im Vergleich zum Kampf gegen den Teufel selbst ? Ein Quatsch, ein Firlefanz, ein glattes Nichts !! Viel Feind, viel Ehr !!!

Franz von Loyola und seine Handvoll feuriger Mitstreitern gründen die „Gesellschaft Jesu“, den Jesuitenorden – und so ist das auch gemeint. Dieser junge Mann aus Palästina, der hatte doch gewollt, dass die Christen die Welt umkrempeln, Licht ins Dunkel bringen, die Herrschaft des Geldes brechen, den Aberglauben wegfegen (der die Menschen in so schrecklich enge Wege zwingt), die Liebe sonnenhell strahlen lassen und die Liebe zur Herrschaft bringen, ALL YOU NEED IS LOVE, brother, LET IT INTO YOUR HEART, sister !!!

Also rein ins Getümmel, wo es am dickesten ist: aus den neuen Kolonien in Afrika, Indien und weiter hinaus hört man nichts Gutes, da regieren Gewalt und Gier, da will Franz Xavier hin. Der Papst sieht das ähnlich und gibt ihm einen Titel und Briefe in die Hand.

Und was macht unser Franz Xavier jetzt ? Spielt er auf dem Schiff den dicken Prälaten der 7 Weltmeere ? Schlägt er mit seinen Vollmachten in Indien als Mini-Papst auf ? Der sich von den unterdrückten Indern in der Sänfte schaukeln und von den Kolonialbeamten bestechen lässt ?

Entgegen all den liebevoll gepflegten Vorurteilen zum Thema Kirche und Kolonisierung geht er die Sache ganz jesusmäßig an. Schon in Lissabon, wohin er zu Fuß gewandert ist, wohnt er nicht im Palazzo, sondern im Armenkrankenhaus und arbeitet dort auch. Sein Reisegepäck beschränkt sich dann auf die Klamotten am Leib und sein Gebetbuch, einen Diener lehnt er ab. Auf dem Schiff wäscht er sein Zeug selbst, kümmert sich um die einfachen Matrosen und unterrichtet sie unermüdlich, lebt von Almosen der mitreisenden Großkopferten. Glücklich in Indien angelangt, stößt er in der kleinen portugiesischen Kolonie Goa auf völlig haltlose, verrottete Zustände. Ausbeutung und Unterdrückung der Einheimischen sind der Alltag, die Europäer führen ein heilloses Lotterleben, Gemeinsinn ist ein Fremdwort.

Er erlernt mehrere Sprachen der Inder, wirkt unter ihnen und den Portugiesen täglich erfolgreich, sein Vorbild reißt einfach mit. Seine Botschaft der Liebe und der Gleichheit der Menschen aller Rassen und Hautfarben vor Gott begeistert die Menschen, tausende Inder werden Christen, Gesandte aus dem freien Indien bitten ihn hierhin und dorthin. Er bildet einheimische Missionare aus, mit ihm ist eine Apartheid nicht zu machen.

Dem portugiesischen König teilt er mit, Gott habe diesem die neue Welt nicht bloß zur Bereicherung, sondern vielmehr zum Wohle der Menschen und zur Ehre Gottes geschenkt, und wörtlich schreibt er: „Es ist mir, als hörte ich die Stimme Indiens von diesen Erdstrichen gegen den Himmel aufsteigen, klagend, dass von den Schätzen, womit es deine Schatzkammer bereichert, so wenig auf seine dringendsten Bedürfnisse verwendet werde.“ – heute würde er sich mit den Konzernen anlegen, geändert hat sich schließlich nichts.

Franz Xavier macht so weiter, der lässt sich nicht bremsen, Malaysia, Indonesien, 2 Jahre als einer der ersten Europäer in Japan, tausende Briefe mit Klartext Richtung Europa, eine Kerze, die an beiden Enden brennt, er stirbt mit gerade 48 Jahren auf einer Insel vor China.

Ein schönes Vorbild für „wenn, denn“. Kann nicht jeder, traut sich auch nicht jeder – aber halt ein viel viel schöneres Vorbild für ein Leben auf der Überholspur als all diese Pop-Stars, Film-Sternchen und Polit-Clowns, die irgendwann voller Drogen tot im Hotelzimmer, Swimmingpool oder Sportwagen liegen.

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November 2011

Heiliger des Monats November 2011: Martin von Tours

Fest: 11. November

Patron Frankreichs und zahlreicher Berufe, unter anderem der Soldaten, Weber und Schneider, der Bettler und der Gefangenen.

Der Heilige MartinMartins Schicksalstag war nicht der mit dem Bettler. Da war er noch ein Teenager, nur durch Familientradition beim Militär, eigentlich im Geist schon ganz woanders. Mit der Mantelgeschichte machte er sich bei seinen Kameraden gründlich lächerlich, man verstand jetzt, der gehört nicht zu uns, Martin bekam kurz darauf seinen Abschied.

Der Tag, an dem sich vieles entscheidet, findet Martin in Trier. Obwohl ihn das Volk 14 Jahre zuvor zum Bischof von Tours gemacht hat, lebt er jetzt mit 54 Jahren noch genau so radikal arm wie immer seit dem er den Mantel teilte. Martin ist ein Menschenkenner, er weiß um die Macht des Geldes, wie sehr es das Werkzeug des Teufels ist. Keine 10 Pferde bekommen ihn aus seiner Hütte heraus in den Bischofspalast. Während der Messe verweigert er sich dem bischöflichen Thron, sitzt auf einem Holzschemel. Dem bettelnden Wanderprediger aus Galiläa folgt er nach, er meint es ernst. Das Volk verehrt ihn.

Seine Kollegen im Bischofsamt vererben ihre Posten seit Generationen in der Familie – genauer, seit Kaiser Konstantin die Bischöfe in den Rang von hohen Reichs-Beamten erhoben hat. Privilegien, viel Geld, de facto sind sie oft die Bosse ihrer Städte. Martin ist ein Kommunist für sie, sie wollen ihm am Zeug flicken, aber er ist einfach heilig, sie kommen nicht an ihn ran.

Wer noch dringender weg soll, ganz weg, sind die Anhänger und Freunde des Priscillian. Selber Bischof, predigt dieser wie Martin die Abkehr von Pomp und Protz, hält die Hingabe an fleischliche Begierden nicht für den Weg zu gutem Karma, ist Vegetarier, akzeptiert die Frauen in der Kirche als gleichberechtigt – und schreibt und spricht auch darüber, wird den fetten Prälaten gefährlich. Die lieben Mitbrüder im hohen Amt beschließen den Tod Priscillians, treffen sich in Trier mit dem Kaiser, dem sie nachfolgen, ihrem Goldesel.

Martin, der außer Gott niemanden fürchtet, kommt an diesem schrecklichen Tag dazu, redet mit dem Kaiser Tacheles, dass dem Hören und Sehen vergeht. Er muss versprechen, höchstens die Bischöfe unter den Freunden Priscillians abzusetzen – hat nicht Jesus selber gesagt, dass Unkraut soll mit dem Kraut aufwachsen, sortiert wird beim letzten Gericht?

Erst nach der Abreise Martins traut sich der Kaiser, den anderen Bischöfen ihren Spaß zu gönnen: der fromme Mitbruder Priscillian wird gefoltert und ermordet, seine Anhänger vor Sondergerichten abgeurteilt, die nebenbei auch das Vermögen der Opfer einziehen – es wird viel verdient und viel viel christliches Blut vergossen.

Martin ist entsetzt. Er wirkt weitere 15 Jahre in seiner Gemeinde, aber nie wieder besucht er auswärts einen Kirchentag, eine Versammlung. Er kann das feiste Pack nicht mehr ab. Er kennt sie jetzt. Es schüttelt ihn. Zum ersten Mal werden Priester von Priestern ermordet, der Böse fährt eine reiche Ernte ein im Garten des Herrn.

Heute tut die Amtskirche so etwas nicht. Weil sie nicht mehr will – oder weil sie nicht mehr kann ? Das sind so Fragen, die auch Bilder von babyknuddelnden Päpsten nicht beantworten. Die Kirche sollte sich ihrer aktuellen weltlichen Machtlosigkeit eigentlich herzlich freuen: das ist ja eine Chance. Fast wie damals. Auf Anfang.

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Oktober 2011

Heiliger des Monats Oktober 2011: Lukas

Fest: 18. Oktober

Patron: der Ärzte und Künstler, insbesondere der Maler und Zeichner

Der Hl. Lukas malt die Madonna

Der Hl. Lukas malt die Madonna; Bild von Rogier van Weyden, um 1440

„Lukasgilden“ nannten sich die Vereinigungen der Kunstmaler und Zeichner in vergangenen Jahrhunderten, und bis heute ist er ihr Patron. Anlass für diese besondere Verehrung des Lukas, der ein Evangelium und die Apostelgeschichte verfasste, ist die schöne Legende, Lukas habe Maria selber in Gemälden portraitiert. Tatsächlich schildert Lukas die Gottesmutter in seinem Evangelium ausführlicher und wohlwollender als alle anderen Quellen. Das eindrucksvolle Magnifikat-Lied (siehe „Heiliger des Monats Juli 2011 Mariä Heimsuchung) gibt es sogar nur bei ihm:

„Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan.“

Man hat sehr den Eindruck, dass er die Gottesmutter persönlich gekannt und überaus geschätzt hat.

Und die Malerei ? Man weiß eigentlich gar nicht, wann und wie diese Berichte aufkamen, aber schon um 600 nach Christus ist von Marienbildern die Rede, die Lukas angefertigt haben soll. Aus dieser frühen Zeit hat z.B. die Ikone „Maria Fürsprecherin / Maria Advocata“ überlebt, die in Rom in einem Kloster der Dominikanerinnen verwahrt wird.

Na ja, sagten die Theologen lange Jahre unisono, Lukas als Pinselschwinger, nette Story, aber leider alles Quatsch. Die Jünger sind in Leinensäcken und Schlappen durch den Wüstensand geschlurft bzw. mit so besseren Tretbötchen kreuz und quer über den See Genezareth gepest und waren froh, wenn es abends was zu essen gab. Von Malerei – keine Rede, und natürlich sind auch die Evangelien erst sehr sehr spät geschrieben worden und in den Augen der Oberschlauen sowieso halbe Märchen.

In jüngerer Zeit wird an diesem Bild gekratzt. Man fragt sich, ob solche Vorstellungen nicht eher einem kräftigen mitteleuropäischem Größenwahn als biblischer Realität entsprechen ?

Unsere eigenen Vorfahren, ja die sprangen im Bärenfell den wilden Sauen im Walde hinterher – aber Palästina war als Teil des römischen Reiches doch deutlich komfortabler möbliert. Man nimmt langsam und widerstrebend zur Kenntnis, dass der Grad der Verschriftlichung zur Zeit Jesu umfassend war. Wie heute wurde jeder Blödsinn auf Papier festgehalten, an jeder Ecke kritzelte jemand einen Papyrus voll, Briefe gab es waschkorbweise. Und – die Reden noch des dusseligsten Provinz-Politikers wurden in superschneller Kurzschrift live mitgeschrieben. Warum dann nicht auch die von Jesus, dem Star-Prediger aus Nazareth, dem Straßenfeger, dem wortwörtlich tausende hinterher trabten ? Muss doch keiner meinen, die Evangelisten hätten eine Taube auf der Schulter gebraucht, die Ihnen was ins Ohr flüstert: die gingen wahrscheinlich einfach zum Pressearchiv.

Na denn, mag sein: aber geknipst wurde doch wohl noch nicht ?! – Wie man es nimmt. Im Nachbarland Ägypten, zu dem allerengste Kontakte bestanden, fanden Schatzgräber vor gut 100 Jahren nahe der auch von zehntausenden Juden bewohnten Stadt Alexandria in einer regenlosen Oase unzählige völlig realistisch und modern gemalte Portraits aus der Zeit Jesu, die man Verstorbenen mit ins Mumienpaket gewickelt hatte. Gemalt in einer Enkaustik genannten Wachsfarbentechnik, in der auch alle frühen Ikonen der Kirche gemalt sind.

Wenn es die Tradition hartnäckig überliefert, warum sollte Lukas also nicht so ein Zeichenfex gewesen sein ? Es spricht erst einmal gar nichts dagegen, dass es Gemälde seiner Hand gab (oder immer noch gibt), für die Maria tatsächlich Modell saß.

So ist das mit Legenden: manche sind einfach poetischer als die Wirklichkeit, aber manchmal ist die Wirklichkeit poetisch und trotzdem ganz real. Wir sollten uns der gelegentlichen Wahrheit der Legenden und Märchen nicht vorschnell verschließen: katholisch sein heißt, mit Geheimnissen leben zu können, den Reichtum jenseits der Grenzen des Offensichtlichen öfter mal zuzulassen. Legenden bereichern das Leben, befeuern die Phantasie – und tun der ärmlichen Schulbuchwirklichkeit nicht weh, die auf Wikipedia mittlerweile eh alle 5 Minuten umgeschrieben wird ....

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September 2011

Heiliger des Monats September 2011: Erzengel Michael

Fest: 29. September

Schutzpatron: der Deutschen, der Kirche, vieler Berufe

Erzengel MichaelAm auf Pfingsten folgenden Sonntag gehen die Gottesdienstbesucher der Kirche in Uedelhoven nach der Messe nicht heimwärts, sondern sie marschieren zu einem „Heiligenhäuschen“ auf dem nahen „Hausberg“ des Eifeler Ortes. Dieses Dreifaltigkeitskapellchen ist etwas über 100 Jahre alt, und so könnte man hinter diesem Gang eine Frömmigkeitsübung des 19. Jahrhunderts sehen. Nun findet sich aber im Pfarrarchiv ein Vermerk des Pastors Thomae aus der Zeit um 1700, in der er berichtet, dass ihn seine Schäfchen gezwungen hätten, „die Procession uff den Berg zu halten“, obwohl er alternativ vorgeschlagen hatte, einfach ein paar mal um die Kirche zu laufen ...

Tatsächlich gehen die Uedelhovener seit über 2000 Jahren „uff den Berg“.

In der guten alten Zeit vor Caesar und seinen rabiaten Legionen hießen die Eifeler noch Treverer und kamen prima alleine klar. Der oberste Himmlische hieß Lenus, wurde auf den Bergen verehrt und war sowohl Kriegs- als auch Heilgott.

Die Römer, in Fremdsprachen etwa so stark wie heute unsere amerikanischen Freunde, nannten ihn Mars – und als die hügeligen Wälder zwischen Trier und Aachen christlich wurden, taufte man den geduldigen Lenus auf Erzengel Michael um. Michael-zwei-Fäuste-für-ein-Halleluja-schlag-den-Teufel, Chef der beflügelten Heerscharen, starker Arm des Herrn: passte wie Faust auf Auge.

Und so steht man denn auf dem Uedelhovener Michelsberg, im Rücken den Michelsbach, sieht reihum Bergeshöhe an Bergeshöhe, viele nah und fern heißen Michelsberg, und denkt an diesem heiligen Ort an die unglaubliche Macht der lebenden Überlieferung, diesen niemals abgerissenen Strom mündlicher Tradition – der versiegt, der zu einem Ende kommt. Einen normalen Sonntagsgottesdienst im 3. Jahrtausend besuchen etwa 60 Leute, viele davon nicht aus dem Dorf, Altersdurchschnitt über 70, außer den Meßdienern praktisch keine Kinder oder Jugendliche.

Noch 10 Jahre ? Und die gesammelte Spiritualität eines Ortes ist am Nullpunkt, wegen Reichtum geschlossen, wir sind selber Gott. – „Wer ist wie Gott ?“ rief der Engelsfürst dem Teufel als letztes Wort hinterher, „wer ist wie Gott ?“

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August 2011

Heilige des Monats August 2011: Helena

Fest: 18. August

Patronin der Archäologen und der Schatzsucher, der Stadt Trier, angerufen zur Aufdeckung von Diebstählen und alles Verborgenen

Helena_kl

Cima de Conegliano: Helena mit dem Kreuz, 1495, in der National Gallery of Art in Waschington

Heilige, die was taugen, sind Radikale, so oder so oder so. Mit dem industriegrau sauertöpfisch-frommen Getue mancher Kirchenkreise / Kirchengreise haben die dann so viel zu tun wie Jesus mit den päpstlichen Samtschlappen, nämlich nüscht.

Helena ist die einem recht schummrigen levantinischen Schankwirt von irgendwem unter dunklen Umständen geborene Tochter. Später führt sie selber eine derbe balkanesische Rummelbude, in der sich die Soldaten der Donaufront “entspannen“. Konni, der wildeste Haudrauf von all den unzählbaren Sandalenheinis wird ihr Dauer-Schatz: und weil er so schön brutal ist und nach 100 Schlachten immer noch lebt bringt er es zum guten Schluss tatsächlich zum römischen Kaiser. Paff pardautz, wer hätte das gedacht ! – Pech nur für Lenchen, denn die muss er nun erst mal in der Besenkammer verstecken und statt dessen eine parfümierte und frisch gebügelte höhere Tochter heiraten.

Konni sitzt in Trier und regiert so vor sich hin aber Helena denkt gar nicht dran, nur in der Eifel spazieren zu gehen und den Wölfen beim Heulen zuzuhören. Sie fuhrwerkt im Hintergrund so lange hin und her, bis die höhere Tochter ins Kabuff kommt und ihr uneheliches Söhnchen Konstantin den römischen Chef abgeben darf. Zähigkeit siegt, man hat der Beispiele mehrere.

Helena, inzwischen Christin geworden, hat viel nachzuholen und tut´s auch: als Queen Mum mit der goldenen Kreditkarte räumt sie im Heiligen Land mit der Brechstange so auf, daß es staubt, läßt Tempel abreißen und Kirchen bauen, findet das Grab Jesu, sein Kreuz, sein letztes Hemd, tonnenweise Souvenirs, es geht richtig rund. Ihr Sprössling, ganz braver Sohn der Matrona Maxima, hat die Christen inzwischen zu ehrlichen Leuten gemacht, die Antike ist vorbei, es geht Vollgas ab ins Mittelalter, Helenas Palast in Trier wird zum Dom umgebaut (und steht immer noch).

Im Nachhinein hat man an Helena viel herumgeflickt „wegen Ihrer Herkunft usw.“, alles Käse. Den Herren Klerikern war die fromme Helene wohl einfach einen Zahn zu steil – aber Jesus stand ja definitiv eher auf die ganze lebensfrohe Prolobande als auf so steifleinene Scheinheilige. – Also denn Prost auf´s Trierer Lenchen mit Riesling aus Riol – und den Deckel holen wir als Heiligenschein !!
 

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Juli 2011

Heiliger des Monats Juli 2011: Mariä Heimsuchung

Fest: 2. Juli

Mariä Heimsuchung, Gemälde von Max Reichlich,  1511, Alte Pinakothek München„Mariä Heimsuchung“ – ein altfränkischer, kaum mehr verständlicher Name für diesen Festtag der totalen Frauenpower. Was war da los in Palästina ?

Joseph hat sich mit dem Teenie Maria verbandelt und schwebt im 7. Himmel. - Aber dann: eiskalte Dusche, Tiefschlag, die ist schon schwanger, oh nein, peinlich peinlich peinlich. Das Maria ihm was vom Engel erzählen will, macht die Sache nicht besser (echt nicht). OK, den Macho wird er nicht abgeben, er ist ein cooler Typ. Statt den wilden Mann zu spielen, denkt er über einen diskreten Hinterausgang nach.

Da schwant ihm im Traum, dass das sehr junge Ding an seiner Seite vielleicht wirklich Gott mit ins Spiel gebracht hat. Krass, was tun, Josef ist fromm. Ein „Siebenmonatskind“ gäbe endloses Getratsche, das Mädchen muss aus der Schusslinie. Also packt Maria ihr Rucksäckchen und schwirrt ab, „Tante Lissy besuchen“, nun denn.

Es muss gewaltig gefunkt haben, als die Ladies sich trafen: die alte Dame, wunderbarerweise schwanger mit Johannes dem Täufer, dem Urvater aller Punks, und Girlie Mariechen, schwanger mit seinem und unser aller nicht weniger wildem Chef. Jonnyboy tobt zur Begrüßungs-Umarmung im Bauch, und die beiden Mütter in spe packt der „furor poeticus“ – laut ruft Elisabeth: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.“ – und Maria setzt noch eins drauf und singt auf offener Straße:

„Meine Seele preist die Größe des Herrn,
und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.

Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.
Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.

Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.
Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben
und lässt die Reichen leer ausgehen.

Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,
das er unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.“

Wow, das nenne ich knackig getextet – für revolutionäre Lyrik von solchem Kaliber kommt man in Dutzenden von Staaten auch heute noch ins Gefängnis. „Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“ – hört sich anders an als „Gott erhalte Franz den Kaiser !“ (oder Karl den Kaputten oder Ferdinand den Verdrehten oder wie die Jungs alle hießen).

„Magnificat“, wie sich das Liedchen auf Latein nennt, wurde 1.000 mal vertont (hört Euch mal was auf You Tube an), aber Gema-Gebühren kriegt Maria keine, wohin auch überweisen ? Und ist jedenfalls ewig viel besser als alles aus den letzten 20 Jahren Eurovision Song Contest Geschwurbels ! – „Mariä Heimsuchung“: so ist Religion, wenn sie schön ist.

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Juni 2011

Heiliger des Monats: das Fest Fronleichnam

Festtag: abhängig vom Ostertermin zwischen dem 21. Mai und dem 24. Juni

Fronleichnamsteppich am Uedelhovener Kriegerdenkmal 2010Vielen Menschen ist der Sinn des Festes Fronleichnam heute nicht mehr zugänglich. Am Feiertag selbst registriert man eventuell noch die Folklore, aber der Unterschied zum örtlichen Standard-Schützenvereins-Umzug erschließt sich nicht mehr so ohne weiteres.

Es gibt ältere Feste. Fronleichnam, die altdeutsche Übersetzung von Corpus Christi, wie der Tag in England immer noch heißt, kam erst in der Ritterzeit auf, im 13. Jahrhundert. Zunächst feierte man es in den Ardennen, in Lüttich – und als dann ein Lütticher Erzdiakon Papst wurde, führte er das Fest allgemein ein. Das hätte auch ein Flop werden können, aber es wurde ein ungeheurer, bis heute andauernder Erfolg.

Weltweit ist Fronleichnam der Tag, an dem Katholiken auf die Straße gehen.

Das 13. Jahrhundert sieht eine Blüte der Innerlichkeit, der Mystik, des persönlichen Gebetes, der direkten Begegnung mit Gott. Man ist nun aus dem finstersten Mittelalter heraus, die Städte wachsen und gedeihen, man strebt ganz allgemein zu Höherem – was man sogar der seinerzeit entworfenen Architektur ansieht: Kölner Dom etc.

Wo aber kann man Gott unmittelbarer erleben als im gewandelten Brot? Die Menschen sind ganz begeistert, richtiggehend hin und weg vom Sakrament der Eucharistie. An der ersten Berliner Love Parade nahmen 150 Raver teil, kurz darauf waren es Millionen. So in etwa muss man sich den Erfolg des Festes Fronleichnam vorstellen: nur das hier nicht der eigene Körper vergöttert und mit Drogen „verwöhnt“ wird, sondern Gott kommt hier zu den Menschen, zieht durch Ihre Straßen, kommt in der am Festtag empfangenen Kommunion in ihre Körper.

Eine globale Love Parade mit Reizen für alle Sinne: Musik, Lieder, Weihrauch, Blumen – und ER, die Liebe selbst, im Brot der vom Priester getragenen Hostie.

Wo sich die Geister dann natürlich fein säuberlich scheiden, da hilft Ökumene auch nicht weiter – oder wie ein Protestant einmal formulierte: „Könnte ich an die katholische Abendmahlslehre glauben, käme ich von den Knien nicht mehr hoch.“ Könnte – tscha.

Es ist ein Fest für Katholiken, da beißt keine Maus einen Faden ab – ein schön verrücktes und intensives Fest.
Und wenn´s regnet ? Normal wird gegangen, auch wenn es aus Eimern schüttet – Ihr glaubt doch nicht im Ernst, das Gott naß werden könnte ?

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Mai 2011

Heiliger des Monats: Hermann-Joseph von Steinfeld

Festtag: 21. Mai

Schutzpatron der Uhrmacher, Mechaniker und Obstbauern

Maria erscheint Hermann Joseph

Antonius van Dyck: Maria erscheint Hermann Joseph, 1629, im Kunsthistorischen Museum in Wien

„Street Credibility“, am besten schlicht mit Glaubwürdigkeit übersetzt, ist das, wofür nicht wenige Künstler, aber auch so mancher Politiker und Medienstar seine Seele verpfänden würde. Hat man sie, gehen die Leute mit einem durch dick und dünn – hat man sie nicht, bleibt man ein Papiertiger. Glaubwürdigkeit gründet sich darauf, dass man das lebt, was man sagt.

Hermann wurde fast 100 Jahre vor der Grundsteinlegung des jetzigen Kölner Doms um 1150 geboren. Seine Eltern waren verarmte Kölner Bürger, die ihrem begabten Sohn trotzdem den damals noch ganz ungewöhnlichen Schulbesuch ermöglichten. Außerdem lernt er irgendwann das Handwerk des Uhrmachers – diese riesengroßen, handgeschmiedeten Ungetüme von Turmuhren waren damals der letzte Schrei. Er hätte in diesem stark nachgefragten Mode-Beruf ein gutes Auskommen haben können. Statt dessen wird er Mönch, in Steinfeld in der Eifel.

Kein Heiliger ohne Glaubwürdigkeit. Heiligkeit definiert sich geradezu durch diese weitgehende Übereinstimmung von Herz und Leben, von Traum und Wirklichkeit. Was bei den meisten Menschen Gedanke bleibt, wird bei den Heiligen Tat.

Hermann lebt seinen inbrünstigen, tief empfundenen, ihn ganz vereinnahmenden Glauben rückhaltlos, geradezu sinnlich. Der Alltag lässt ihn kalt. Wenn er die Messe liest, lässt er das Geschehen des gewandelten Brotes so unmittelbar auf sich wirken, dass er regelmäßig in Trance fällt. Kaum einer der Mitbrüder mag ihm noch Messdiener sein. Das Heilige ist seinem offenen Herzen so nah wie die Luft, die ihn umgibt. Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.

Als Junge läuft er oft in die Kirche und redet mit Maria und dem Jesuskind wie mit Mutter und Bruder – wie recht er hat. Als er eines Tages im Überschwang seiner Zuneigung dem Jesuskind den wohlverwahrten Frühstücksapfel anbietet, streckt die Figur sich und nimmt den Apfel an – wer hätte auch widerstehen können ?

Wer heute St. Maria im Kapitol besucht, wo dies geschah, der findet fast immer einen Apfel bei der Mutter und dem Kind – ebenso in Steinfeld, am Grabmal des Hermann, den sie schließlich neckend Joseph nannten, weil er mit der Gottesmutter so selbstverständlich auf Du & Du stand.

Schöne Plätze für schöne Gebete – zum Beispiel um die Gnade, unsere allzu gepanzerten Herzen geöffnet zu bekommen: für die Liebe, die tatsächlich alles überwindet.
 

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April 2011

Heilige des Monats: Cantius, Cantianus und Cantianilla

Festtag in Hildesheim: 1. April (Ankunft der Reliquien)

Schutzpatrone der Kinder

Cantius, Cantianus und CantianillaIn den vergangenen Monaten hat uns interessiert, was mit mehr oder weniger bekannten Heiligen los ist, so lange sie da sind – heute fragen wir uns einmal, was Heilige bewirken, wenn Sie wieder weg sind.

Sind sie denn weg? Nun, keiner geht so ganz. Es bleiben Andenken, vielleicht Bücher, Bekleidung – und Knochen. Noch in den 1980er Jahren durfte mein auf´s Eifler Dorf gezogene Schwager die Erfahrung machen, dass in seinem Ort die männlichen Nachbarn eine Tote unter die Erde zu bringen hatten. Man trifft sich auf dem Kirchhof, buddelt abwechselnd, trinkt eine spendierte Flasche Schnaps und versteckt die Knochen der den älteren bestens erinnerlichen Vorbelegung diskret tief unten im Loch. – Jetzt macht das auch dort ein Unternehmer, aber vorher war das überall so: in der Grüften räumte man Platz für den nächsten der Familie, auf den Kirchhöfen steckte man die regelmäßig auftauchenden Reste in ein „Beinhaus“. Wohlgemerkt, die Knochen von jedermann, ob mit oder ohne Wappen, ob reich oder arm. Der Tod macht gleich – manche macht er allerdings auch gleicher. Denn wenn es einer in den Himmel schafft, wenn eine wirklich dort oben beim Herrn ist – dann doch die Heiligen !

Da war ein Schauder, eine Aura um deren Überbleibsel, die Reliquien. Die Seele dieses Leibes war sicher geborgen beim Herrn, in Abrahams Schoß: aber hatte diese Seele nicht vorher diese Knochen belebt ? Hatten die Knochen nicht der Seele ganz konkret als Wohnung gedient ? Man fühlte sich diesen heiligen Seelen verbunden, man fühlte sich der jenseitigen Welt zum Greifen nah, war man den Reliquien nah.

Aquae Gradatae bei Aquileia in Norditalien, 304 nach Christus. Drei Kinder bzw. Jugendliche und ein Lehrer werden geköpft. Sie hatten Christen bleiben wollen, trotz der letzten und zugleich massakerreichsten Verfolgung durch den Diktator / Kaiser Diokletian. Aus guter Familie, aber verwaist, hatten sie in Rom alles verkauft und den Armen gegeben, wollten mit ihrem Mentor Protus in der Provinz untertauchen. Kurz vor dem Ziel erkannt, blieben sie ihrer Überzeugung, dem hellen Licht ihres Lebens in all der sie umgebenden römischen Barbarei treu.

Andere Opfer sind längst vergessen, ihr Staub verweht. Der Nachruhm der 3 Geschwister gründet sich darauf, dass ein Priester namens Zoelus ihren Leichen (sicher nicht risikolos) ein gemeinsames Grab zu verschaffen wusste. Den dort verwahrten Reliquien erweisen nun Gläubige seit 1706 Jahren Respekt. In Aquileia ruft man sie als Schutzpatrone der Kinder an, in Kranj (Slowenien) steht eine Kirche zu ihren Ehren – und in Hildesheim in Norddeutschland kamen an einem 1. April vor etwa 1000 Jahren einige Reliquien an. Diese Ankunft der unscheinbaren Knochen war den Menschen dort ein solches spirituelles Ereignis, dass Sie diesen Tag der Ankunft seitdem (bis heute) feiern. Ja, noch 1978 (man glaubt es kaum) wurde der neue Hochaltar der Kirche im benachbarten Söhre mit Teilen der Reliquien versehen.

Natürlich kann man darüber spotten, das macht seit Luther alle Welt, moderne Katholiken stehen da mit in der ersten Reihe: kindischer Aberglaube, schlichte Gemüter ! Es wird milde gelächelt. Als Reliquienverächter ist man zweifellos in allerbester, hochintellektueller Gesellschaft.

Wenn man aber gar nicht so oberschlau sein will, und einen dieser Anhauch aus der anderen Welt anrührt ? Wenn man die ausgestreckte Hand aus dem Himmel nicht ausschlagen will ? – Hat der Chef in seiner komischen Art nicht mal gesagt „Werdet wie die Kinder, sonst kriegt ihr nie die Kurve“ ? Und wie sieht sie aus, unsere Erwachsenenwelt ? Na ? Wie sieht sie aus ?

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März 2011

Heilige des Monats März: Gertrud von Nivelles

Festtag: 17. März 659 (Todestag)

Schutzpatronin der Reisenden und Pilger (auch reisender Gesellen) sowie der Gärtner (besonders gegen Mäuseplagen)

Gertrud von NivellesNoch dominiert in der Öffentlichkeit der männliche Blick auf die Leben von Frauen. Einfache Nonnen stopft man in die Schublade „verhärmt, weltfremd, im Kloster dahingedämmert“, zu reichen Äbtissinen assoziiert man „von der Familie in den goldenen Käfig abgeschoben, langweiliges und nutzloses Leben hinter hohen Mauern“. – Immer unausgesprochen im Hinterkopf: ein Leben ohne Mann, das kann ja nichts sein.

Im Februar hat uns das arme Mädchen Brigida schon gezeigt, wie viel Frauenpower in Nonnen steckt – jetzt im März werfen wir einen Blick auf die Upperclass.

Gertrud wurde 626 irgendwo im heutigen Belgien in die damalige Hochpolitik hineingeboren. Ihre Familie mischte überall mit – sie selbst ist die Ur-Ur-Großtante Karls des Großen. Mädchen Ihrer Herkunft wurden zwar nicht so billig verschachert wie Brigidas Mutter, aber verschachert wurden sie doch. Die Versuchung war einfach zu groß: ein Fleckchen Land billig zu erheiraten, statt es teuer zu erobern ... so verplante man kleine Mädchen (und die Mütter gleich mit, wenn sie Witwen wurden). Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt. Soweit die Macho-Theorie – und leider häufig auch die Praxis.

Aber Frauen sind ja nicht dumm. Als es für Gertrud und ihre Mutter 640 brenzlig wird (der Politikergatte stirbt und Gertrud wird 14, also „mannbar“), ziehen beide in trauter Einigkeit die Reißleine. Mutter und Tochter gründen ein Kloster und werden dessen erste Bewohnerinnen. So behalten Sie ihren Besitz, brauchen sich nicht irgendeinem nach selbigem schielenden Tuppes zu unterwerfen, bleiben Chef im eigenen Haus und können ihren Neigungen nachgehen. Gertrud ist nämlich ein schlaues Kind, sie liest: was damals selbst mancher Priester nicht konnte (der hatte das Allernotwendigste halt auswendig gelernt). Sie baut eine Bücherei auf, lässt sogar Bücher aus dem fernen Rom kommen.

Nach dem Tod der Mutter wird Gertrud mit 26 Jahren Äbtissin des Klosters und wirkt tatkräftig. Sie engagiert sich für den Unterricht ihrer Nonnen (die später auch heiliggesprochene Amelberga ist ihre Schülerin), unterstützt Arme, Witwen, Waisen und Gefangene, baut den mittellosen irischen Wandermönchen, die den einfachen Leuten die neue Botschaft der Liebe bringen, ein kleines Krankenhaus.

Als Gertrud mit 33 Jahren stirbt (im Mittelalter lebte und starb man schneller ...), hat sie ein Frauenkloster in Gang, Licht ins Dunkel und in viele Köpfe gebracht, ihr Ding gemacht. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es – Gertrudentag ist ein prima Tag, um ein erstes Mal im Garten rumzuwuseln und der jungen, energischen Patronin der Gärten zu gedenken.

P.S.: Aus dem Krieg gegen Napoleon hat sich eine schöne Geschichte zu unserer Heiligen überliefert:
Da die Legende erzählt, Gertrud hätte einmal eine Mäuseplage mit ihrem Gebet abgewendet, gehören oft Mäuse zu ihren Attributen. Als sich nun 1815 ein siegestrunkener, übermütiger protestantischer preußischer Offizier von einem Einheimischen in Luxemburg durch die Kathedrale führen ließ (und natürlich alles für katholischen, abergläubischen Mumpitz befand), entsetzte ihn eine geschnitzte Figur der Gertrud besonders, da an deren Äbtissinnenstab kleine vergoldete Mäuse als Dank für abgewandte Plagen angebracht waren. „Ja guter Mann: glauben sie denn tatsächlich an so einen zum Himmel schreienden Unsinn ?!“ – „Nicht wirklich, Herr Offizier: sonst hätten wir schon längst auch ein paar kleine vergoldete Preußen schnitzen lassen.“

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Februar 2011

Heilige des Monats Februar: Brigida / Brigitta von Kildare

Fest: 1. Februar

Patronin Irlands, der Schwangeren, der Kinder und der Haustiere

Heilige BrigidaAuf den ersten Blick könnte uns die liebe heilige Brigida schnurzpiepe sein: viel zu lange her (1.500 Jahre), viel zu wenig Action (nix besonderes passiert). Frommes Mädchen, noch frömmere Nonne, heilige Äbtissin – ich schlaf gleich ein.

Auf den zweiten Blick zeigt uns die Verehrung der heiligen Brigida, wie offenherzig multikulti die Kirche vorhandene spirituelle Kräfte nicht bekämpft, sondern integriert, ja häuft. Indem man ihren Festtag auf den Tag der gleichnamigen keltischen Muttergöttin legte, den alten keltischen Frühlingsanfang am 1. Februar, wurde diese schöne Tradition bewahrt und weiter ausgebaut – insbesondere noch durch „Mariä Lichtmeß“ gleich am Tag darauf.

Dieses Fest des wiedererstarkenden Sonnenlichtes findet sich in den Erzählungen, dass Brigida Flammen auf dem Haupt erschienen seien – in ihrer Kirche in Kildare unterhielten noch 700 Jahre später ihre Klosterfrauen ein immerwährendes Feuer zu ihrem Gedächtnis.

Selbst heute noch flechten in Irland Kinder zum Brigida-Tag kleine Kreuze aus Röhricht, die in der Form an das alte Sonnenrad erinnern. – Reiche vergehen, Völker verschwinden, und die Kirche trägt die Tradition weiter und weiter – man mag das ja unwichtig finden, aber ich rheinischer Katholik steh auf die fette barocke volle Dröhnung. Warum weniger ?

Und Drittens wird es knallmodern: im Kleingedruckten der Lebensbeschreibung Brigidas findet sich eine weibliche Emanzipationsgeschichte.

Brigidas Vater war nämlich ein adliger Militärmacho übelster Strickart: obwohl verheiratet, kaufte er sich Ihre Mutter, eine Unfreie, als Sexsklavin. Als sein Spielzeug schwanger wurde, verkaufte er es mit Rabatt an irgendeinen Kumpel weiter und fragte nicht weiter danach. Das Mädchen Brigida wird getauft, das Christentum hält Einzug: und gibt Brigida, wie so vielen anderen, die Möglichkeit zur Revolte.

Die schöne und intelligente Brigida muß sich nicht wie ihre Mutter verhökern und missbrauchen lassen, ihr bieten sich nun ungeahnte Möglichkeiten. Mit 14 setzt sie durch, Nonne werden zu dürfen und errichtet sich unter einer Eiche – recht hippiemäßig – eine Art Wohnhöhle. Andere stoßen zu ihr: Frauen auf der Flucht vor Männern (die waren damals ja auch nicht besser als heute), Männer auf der Flucht vor dem ewigen Gemetzeln, diesem Dauerblutrausch von Fehde und Blutrache, den sie bis heute nicht so recht sein lassen können.

Es werden auf die Dauer mehrere solcher Kommunen, und hätte die Reformation nicht alles platt gehauen, bestünden sie noch heute. – Merke: wo im Mittelalter die Liebe ist, ist Mittelalter Fortschritt. – Und die Neuzeit ? – Nicht zu schnell antworten, die Frage sollte wirken können.

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Januar 2011

Heiliger des Monats Januar: Bekehrung des Heiligen Paulus

Fest: 25. Januar

Der Heilige PaulusVor 2000 Jahren, türkische Mittelmeerküste. Viel Sand am Strand, die Sonne scheint, das Obst wird süß. Pax Romana, es lässt sich prima leben.

Ein nichtaufdenkopfgefallenes Söhnchen der jüdischen wohlhabenden Mittelschicht, Zelt- oder Tuch- oder Teppichmacher oder –händler, Genaueres gibt die Übersetzung nicht her, will was noch besseres werden, studiert an der hippen Uni zu Jerusalem Theologie. Das Sahnehäubchen: man ist römischer Vollbürger und fühlt sich auch so: the sky is the limit. Keine Sekunde muss der junge Mann überlegen, für welche In-Group sein Herz schlägt: es ist die herrschende Klasse, die Pharisäer, die intellektuelle Elite an den Fleischtöpfen, ohne die nichts geht.

“Es ist besser, einer stirbt für das Volk, als das Volk stirbt“ sagen sie („das Volk sind wir“) bei einem guten Glas Wein über den Spielverderber Jesus, diesen unberechenbaren Bauerntrampel-Führer aus Galiläa (und Galiläa ist für diese Jeunesse Dorée was die Eifel für Köln ist: Misthaufen, Gummistiefel, Kittelschürzen). Also Schluss mit der Provinzposse und hau weg den Wannabe-King – business as usual.

Ein bisschen Aufräumen ist dann noch noch angesagt: wer nicht hören will muss fühlen. Dem Stephan hauen sie so viele Steine auf den Kopf, dass er gleich liegen bleibt. Um die Ausbreitung dieser geistigen Pandemie zu verhindern, meldet sich Paulus gern für Syrien. Jugendliche Großmannssucht und das gute Gefühl, etwas für das eigene Portemonnaie zu tun. Die Mächtigen werden sich erkenntlich zeigen. So reitet er los, aber so kommt er nicht an.

Ein verwirrter Blinder ist es, der schließlich in Syrien um Hilfe bittet: Wirres aus der Wüste erzählt und sich nun zeitlebens als die „Missgeburt“ bezeichnet. (Anmerkung für die, die nicht so bibelfest sind: Als Paulus auf dem Weg in einer Vision dem Herrn begegnete, erblindete er. Ananias, ein Christ aus Damaskus, heilte Paulus von seiner Blindheit, indem er ihm die Hände auflegte. Allerdings tat Ananias dies nicht aus Liebe zu Paulus, sondern aus Liebe zu seinem Herrn, der dies von ihm forderte.)

Was lernen wir daraus ?

Erstens, daß der Chef up-in-the-sky reichlich schwarzen Humor hat. Der Killer wird zum Prediger, das ist lustig. Zweitens, wie schnell man sich verrennt und das Lied „wes Brot ich ess des Fahn´ ich schwenk“ für irgendwie moralisch hält. Drittens: ist nie zu spät, geht auch anders, sicher, auch für uns, für Dich und mich.

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Dezember 2010

Heiliger des Monats Dezember: Die heiligen unschuldigen Kinder

Fest: 28. Dezember

Ein von der größten Militärmacht der Welt im Vorderen Orient als Marionetten-Präsident eingesetzter Warlord regiert mit blanker Gewalt und übernervös. Bei jedem Schatten von Verrat rollen Köpfe, auch die der eigenen Familie, Massaker sind Mittel der Innenpolitik. – Nicht wirklich neu ? Nein, nicht wirklich neu, 2000 Jahre her, der Mann heißt Herodes, und „homo homini lupus“, der Mensch ist des Menschen Wolf.

Als die damalige Sandalen-Stasi meldet, dass es Unruhe wegen eines angeblich neu geborenen Volkserlösers aus der rechtmäßigen Dynastie gebe, schickt Herodes eine Einsatzgruppe in die Kernregion von deren Clan und lässt in und um Bethlehem alle männlichen Kleinkinder unterhalb des Kindergartenalters töten. Mission accomplished !

Einer aus dem Clan ist mit seinen gastarbeitenden Eltern nach Ägypten entwischt (auch so ein palästinensisches Dauerschicksal). Den kriegen sie erst 30 Jahre später: dann aber richtig.

So geht es zu auf der Welt – Fortschritt gibt es nur in der Waffentechnik.

Und da ist die alte Tante Kirche so vorgestrig, einen vernachlässigbaren Kollateralschaden im „Bemühen um Stabilität in der Region“ Jahr für Jahr als „Fest der heiligen unschuldigen Kinder“ zu begehen ? Wo sich alle anderen doch daran gewöhnt haben, dass Kinder (und Frauen) immer zuerst dran sind ? Dass niemand, aber auch wirklich niemand, zivile Opfer zählt ? Und schon gar nicht die Kinder ?

Das sind wirklich wichtige Heilige – und Dienstag, der 28.12.2010, könnte ein prächtiger Tag sein, darüber nachzudenken, wen man heute wählt, wem man heute Geld schickt, wen man unterstützen und wen man bekämpfen sollte.

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November 2010

Heiliger des Monats November: der heilige Leonhard (=Lennart, Lenny und Leon)

Fest: 6. November

Heiliger LeonhardIn 2000 Jahren Kirchengeschichte finden sich Verbrecher, Helden des Alltags wie ich und Du - und Heilige. Deren große Schar auseinanderzuhalten helfen die „Attribute“: Erkennungszeichen, oft die Marterwerkzeuge (merke: die Guten werden nicht alt). Grauslich schaut das aus: Männer mit dem eigenen Kopf unter dem Arm, flotte Juffern mit einem Dolch im Hals, Jünglinge, von Pfeilen durchbohrt.

Auf uns heutige wirkt das eher leidend, passiv und nicht so richtig sportlich. Wie anders da der heilige Leonhard ! Sein Kennzeichen sind stolz vorgezeigte zerbrochene Ketten – und seine Statuen wirken mitunter recht dritte-welt-revoluzzer-mäßig (fehlt nur die Castro-Cap und die Kalaschnikow – der Bart ist da).

Leonhard war um 500 ein fränkischer Adliger im Umfeld des selbst für fränkische Verhältnisse äußerst blutdurstigen ersten getauften Königs Erst-schlagen-dann-fragen-Chlodwig. Ihm ging das alles auf den Senkel, und das Christentum mit seiner gänzlich anderen Message schlug bei ihm Funken. Er ließ seine Adelsvorrechte sausen und wurde ein radikaler Nachfolger dieses friedlichen Menschen aus Nazareth. Überzeugter Veganer ! Diakon, Mönch, vor allem Einsiedler und Waldläufer, selber Klostergründer. Ein spirituelles Leben in sehr unspirituellen Zeiten.

Warum er – wie die meisten Guten – nicht längst vergessen ist ? Leonhard hatte halt fränkischen Eroberergeist in den Genen, er brauchte neben dem Gebet auch direkte Action, und zwar reichlich. Seinerzeit war das ganze Frankenreich übersät mit Guantanamos: man führte ständig Krieg, und Kriegsgefangene wurden übelst behandelt. In Ketten geschmiedet, oft schlecht ernährt, den Hofhunden ging es besser als diesen Sklaven. Und Leonhard ging dazwischen, überall, immer wieder: und erreichte mit seinen Amnesty-International-Einsätzen die Freilassung unzähliger Gefangener. Was für eine coole Type !!

Er starb friedlich und steinalt (Veggie !) .Sein Grab findet sich wohlgepflegt in seiner schönen Kirche in Saint-Léonard-de-Noblat nahe Limoges.

Serge Gainsbourg flüchtete sich 1944 erfolgreich an den Ort des Kettenzerbrechers, um der Gefangenschaft der Nazis zu entgehen. Die Power scheint noch zu wirken.

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Oktober 2010

Heilige des Monats Oktober 2010: Ursula

Fest: 21. Oktober

Hl. Ursula (Gemälde von Hans Holbein dem Jüngeren, 1523)Patronin der Stadt Köln, der Jugend, der Erzieher, der Universität Paris, für eine gute Heirat und eine gute Ehe, einen ruhigen Tod, gegen Kinderkrankheiten und Qualen des Fegefeuers, in Kriegszeiten.

Die Sache mit der heiligen Ursula hat besonders viele Facetten. Einmal ist es eine spannende Story aus dem fabulierfreudigen Mittelalter, besonders schön erzählt auf

 http://www.heilige-ursula.de/legende/legende_13_jahrhundert.html

Man wundert sich, dass der sehr farbige Stoff noch nicht verfilmt wurde: 11.000 Jungfrauen! Fernreisen! Hunnensturm! Massaker!

Zum anderen ist die Geschichte, wie die guten Kölner 1.000 Jahre lang die ganze Welt mit den Reliquien der 11.000 Mädels versorgen, auch ein Ding für sich – soll denen erst mal einer nachmachen! Was für ein sensationell unverwüstliches Marketing – und alles mit „nachwachsenden Bio-Rohstoffen“.

Zum Dritten hat die liebe Ursula ein gewaltiges Weiterleben. Ihre Legende macht den Begriff des Opfers, der uns heute ganz unendlich fremd ist, unmittelbar erlebbar. Im festen Glauben, dass die Liebe stärker ist als der Tod und das in einer anderen Welt mit ganz anderer Münze gezahlt wird als mit unserem Blech, geht sie sehenden Auges ins Martyrium. Und sie geht nicht allein – die beispiellose Wucht von 11.000 Märtyrerinnen bekräftigt anders als der vereinzelte Mut eines alleinstehenden Bekenners die Seelengröße, die allein das Vertrauen auf Gott verleiht.

 „Katholisch“ heißt übersetzt „umfassend“, das ist und war Programm der Weltkirche – die eher unkatholisch enge, um nicht zu sagen beschränkte Sicht mancher Kirchenoberen soll uns da nicht täuschen - und Ursula ist ein schönes Beispiel für die Integrationskraft des Katholizismus. Am Ort der Ursula-Kirche befand sich wohl ein keltisch-römisches Wasserheiligtum – der Brunnen soll sich bis heute in der Unterkirche finden (ich war selbst noch nicht in der Krypta) . Im Volksglauben hieß es, „am Grunde dieses Brunnens spielt die Mutter Maria mit den Seelen der ungeborenen Kölner Kinder“. Wilde Mythen der Vorzeit, geborgen im Kreis der 11.000 Girlies aus der Völkerwanderung, die in der „Goldenen Kammer“ im Turm auch im 3. Jahrtausend ausgesprochen handgreiflich wachen (muß man gesehen haben, zu Fuß nur 5 Minuten nördlich des Doms: krasse Location, wie das heute heißt).

An solchen Plätzen schnurren Jahrhunderte zu Augenblicken zusammen, da durchströmt einen rheinische Spiritualität mit aller Macht – Augen und Ohren auf, vorausgesetzt – und „sursum corda !“ möchte man rufen, „erhebet die Herzen !“ – der Alltag hat einen schnell genug wieder.

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September 2010

Heilige des Monats September: Thekla von Ikonium

Festtag: 23. September

Patronin der Sterbenden, gegen Augenleiden, in Feuersgefahr

Thekla von IkoniumDen Heiligen Friedrich Spee des letzten Monats hat die Kirche noch nicht anerkannt, die heilige Thekla hat die katholische Kirche (nicht die orthodoxe) erst vor wenigen Jahren wieder aus dem Kalender gelöscht – beides schlecht begründet. Bei Thekla heißt es seitens der katholischen Offiziellen, ihr Leben und Wirken sei nicht hinreichend sicher belegbar – dabei gibt es Akten aus urchristlicher Zeit, viele Kirchenväter gedenken ihrer, schon in der Antike ist ihre Verehrung im gesamten östlichen Mittelmeerraum weit verbreitet, die Tradition ist stark und alt. Wieso diese Streichung, wo der Kirche sonst die Tradition wichtiger ist als Bibel, Fakten und gesunder Menschenverstand zusammen ? Der Wind weht hier von wo ganz anders her.

Thekla ist ein Teenager, als der heilige Paulus im Jahr 50 in ihrer Heimatstadt Ikonium (dem heute türkischen Konya) predigt. Zwei Tage lang hört sie ihm vom Balkon ihres Elternhauses aus zu: „Selig, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen ... Selig, die das Fleisch keusch bewahren, denn sie werden Tempel Gottes werden ... Selig die Enthaltsamen, denn zu ihnen wird Gott sprechen.“ Sie ist hingerissen.

Mit dem Feuer der Jugend teilt sie ihren Eltern mit, wo der Hammer hängt, und ihrem Verlobten, dass sie nicht heiraten wird. Die Entscheidung, ihr Ding durchzuziehen, Gott mehr als den Menschen zu folgen, spirituell zu leben, steht. – Die üblichen Repressionen setzen ein: Paulus wird gegeißelt und rausgeschmissen, Thekla zum Feuertod verurteilt, kann aber (wie wunderbar auch immer) aus Ikonium fliehen und Paulus nach Antiochia in Syrien folgen. Dort wehrt sie sich erfolgreich gegen männliche Gewalt – und landet in der Arena vor den wilden Tieren, ein einzelnes Mädchen in einer fremden Stadt, wie es so geht. Sie überlebt, auch Dank des Eingreifens einer mächtigen Frau, der historisch gut belegten Königin Tryphaina von Pontos. So kann Sie in Myra, wohin sie in Männerkleidern gereist ist, endlich Paulus treffen, und erhält vom ihm den Auftrag, ihre Heimatstadt Ikonium zu missionieren. Sie wirkt dort auch erfolgreich, bevor sie nach Seleukia (dem heute türkischen Silifke) geht, wo sie ebenfalls viele Menschen bekehrt und im hohen Alter geachtet und verehrt eines natürlichen Todes stirbt.

Also warum haben die alten Männer in Rom Thekla aus dem Verzeichnis der Heiligen gelöscht? Eine erfolgreiche, jahrzehntelang tätige, vom Apostel Paulus höchstselbst eingesetzte Apostelin, Priesterin, Missionarin? Weil unsere verkalkten, verknöcherten, hartherzigen Hierarchen immer noch nicht verstanden haben, dass Gott den Menschen als Mann und Frau schuf, gleich berechtigt, gleich heilig, ganz wunderbare Geschöpfe, denen nichts fehlt – keinem von beiden.

Heilige Maria, hilf deinen Töchtern – und lass Hirn regnen, reichlich, du weißt schon wo.

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August 2010

Heiliger des Monats August: Friedrich Spee

Fest: 7. August

Patron der Dichter, der politischen Journalisten und Sachbuchautoren, der unschuldig Verfolgten, der Gefangenen, von Amnesty International

Friedrich SpeeNun, es sei gleich zu Beginn gestanden, das obige ist alles pures Wunschdenken – zu schön um wahr zu sein. Man hat manchmal das Gefühl, unsere liebe Mutter Kirche ernenne an prominenten Ordensgeistlichen alles zu Heiligen oder Seligen, was bei 3 nicht auf den Bäumen ist: aber des Jesuitenpaters Friedrich Spee hat sie sich bisher nicht angenommen. Also tun wir es hier und jetzt !

Man verbindet den Begriff „Hexe“ gern mit „finsterem Mittelalter“, aber im Mittelalter gab es weder „Hexenwahn“ noch Folter als „Instrument der Rechtspflege“. Standpunkt der Kirche war, dass es Zauberei gar nicht gäbe, dass das alles nur Einbildung und Aberglaube sei, man eingebildete Sachen aber schlecht bestrafen könne.

Die bekannten „Hexenverfolgungen“ gehen erst nach dem Ende des gar nicht so finsteren Mittelalters los – für den echten Horror braucht es offenbar modernere Zeiten. Der sich von etwa 1550 bis 1700 austobende Hexenwahn hatte viele Väter. Im Kern ist er eine Volksbewegung, die sich in ihren Mechanismen gut mit dem Faschismus des 20. Jahrhunderts vergleichen lässt. Von Sozialneid und blinder Aggression gespeist, denunziert ein Nachbar den anderen - auch die Gestapo des 3. Reichs konnte ja nur einen Bruchteil der pausenlos eingehenden Petzereien bearbeiten, konnte sich vor mordlustigen Normalbürgern kaum retten.

Regelrechte Verbrecher sehen und nutzen da Ihre Chance: die Oberschichten ganzer Städte (nicht nur die Frauen) werden ausgerottet, das Vermögen eingezogen und unter die Kumpane in Politik und Justiz verteilt – und die Unis nicht zu vergessen ! Denn dort verdienen sich die Herren Professoren eine goldene Nase an unsinnigen Rechtgutachten zu den abgekarteten Prozessen.

In diesem Sinne treibt es Anfang des 17. Jahrhunderts auch der Würzburger Bischof als weltlicher Herr seines Ländchens – und hier kommt Pater Friedrich ins Spiel.

Friedrich Spee ist ein Rheinländer aus der Düsseldorfer Umgebung, 1591 in eine durchaus betuchte Adelsfamilie hineingeboren. Gegen den Willen der Eltern wird er mit 19 Jahren Jesuit (statt Beamter oder Militär), er hat Ideale, träumt davon in Indien die Botschaft der Liebe zu verbreiten und ist zudem einer der besten Dichter seines Jahrhunderts (viele seiner Lieder werden heute noch gesungen).

Wohl in Würzburg ist es, wo der junge, hochtalentierte Pater verurteilten „Hexen“ die Beichte abzunehmen hat – und dabei zu der klaren Überzeugung kommt, daß hier Unschuldige hingerichtet werden, denen man mit Hilfe der Folter völlig irre Geständnisse abgerungen hat. Er ist entsetzt und schreibt sich sein Entsetzen von der Seele: „Rechtliches Bedenken wegen der Hexenprozesse - Cautio Criminalis“, nennt er sein Buch, daß 1631 erscheint und die Praxis der erfolterten Geständnisse ad absurdum führt.

Diese Breitseite nehmen ihm insbesondere die hochgestellten Nutznießer dieser sehr einträglichen, reichsweit wohlorganisierten Kriminalität übel. Man will ihn so schnell wie möglich tot sehen, trotz anonymen Erscheinens des Buches kennt und hetzt man ihn bald, das Netz zieht sich zu. Der Orden „versteckt“ seinen mutigsten Priester im Kriegsgebiet, im umkämpften Trier (30jähriger Krieg ...) – wo er sich bei der Pflege verwundeter Soldaten die Pest holt und am 07. August 1635 stirbt, erst 44 Jahre alt.

Sein Grab wurde vor wenigen Jahren wiedergefunden, man kann es in Trier in der Jesuitenkirche besuchen und einem Vorbild aller Aufrechten seine Refernz erweisen: einem Streiter für die Menschlichkeit, für die Schwachen und Verratenen, einem echten Helden – und ganz ganz sicher einem Heiligen, auch wenn Rom das noch nicht bemerkt hat.

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Juli 2010

Heilige des Monats Juli ist Maria Magdalena, eine nicht ganz unumstrittene Persönlichkeit, deren liturgischer Gedenktag der 22. Juli ist.

Maria MagdalenaPatronin der Frauen insgesamt, im besonderen der reuigen Sünderinnen; der Kinder, die schwer gehen lernen; der Friseurinnen und Kosmetikerinnen, der Parfümhersteller; der Schüler und Studenten

In den 1980er Jahren sang Sandra „I´ll never be Maria Magdalena“, ich werde nie zur Maria von Magdala. Irgendwie gings um wilde Leidenschaft, und sie wollte nichts bereuen müssen. Anders als die Maria Magdalena jedenfalls. Die andere Seite sind dann die Keuschen, die der Fleischeslust fernstehen. Die wollen auch nicht wie Maria Magdalena sein.

Maria Magdalena war immer eine Heilige für uns normale Menschen in der Mitte: der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Einerseits bejahen wir das Gute und sehnen uns danach, andererseits sitzt uns das Teufelchen auf der linken Schulter und flüstert uns was ...

Und sie, die junge Frau aus Magdala im Norden Israels, hatte diesen Widerspruch sozusagen körperlich zu leben.
Die Legende setzt sie mit der namenlosen reuigen Prostituierten gleich, die Jesus bei einem Essen (bei dem man damals ja lag) mit ihren Tränen die Füße wusch und diese dann salbte.

Im Musical „Jesus Christ Superstar“ singt sie „I don´t know how to love him”, wie soll ich ihn nur lieben. Von ganzem Herzen – oder doch mit dem ganzen Körper – und wie schön wäre es, wenn beides ginge !!

Die Evangelien sehen sie, die Jesus aus einer inneren Krise gerettet hatte (damals hieß das „böse Geister austreiben“), immer treu an seiner Seite – auch in den fürchterlichen Todesstunden, als fast alle anderen weg waren, auch am Grab, als er ihr als erster von allen auferstanden erschien. Und da sagt er zu ihr „noli me tangere“, berühre mich nicht !

Die ältere Kunst stellt Maria Magdalena oft verzweifelt am Fuß des Kreuzes dar: alle Träume geplatzt, der eine Gute stirbt unter schrecklichen Qualen, die alltäglichen Mitläufer und die alltäglichen Verbrecher bleiben übrig, Schweinewirtschaft, wie so oft, der Lauf der Welt. Das malt überwältigend der Künstler des Kreuzaltars im Kölner Wallraf-Richartz-Museum: unbedingt anschauen !

Neuere Romane versuchen, die dem Mittelalter eigene fromme Freude an schönen Legenden durch wilde Räuberpistolen zu toppen, in denen Maria Magdalena mit Jesus einen ganzen Kindergarten zeugt und den Babybrei im Heiligen Gral serviert. Wer´s mag, nun denn.

Die Kern-Botschaft der echten Maria ist knackiger: eine Frau in einer Männerwelt hat Probleme, verkriecht sich aber nicht, sondern formuliert sie und teilt sie mit dem Menschen, dem sie vertraut. Sie hat den Mut, ihre Liebe zu leben und den Menschen zu unterstützen, der die Liebe predigt und der ihre Unterstützung braucht (denn Feinde hat er schon mehr als genug). Das Geschwätz der Leute interessiert sie nicht, sie macht´s einfach. Klasse, find ich gut.

P.S. 1: Reue befreit, gibt Power für radikale Neuanfänge. Keine Panik vor dem Spiegelbild, dem Alleinsein - man kann sich eh nicht davonlaufen. Unsere Bibelhelden gingen zum Turnaround in die Wüste, Rheinisch-Katholische können beichten (sehr altmodisch, very cool), allen tut das Pilgern gut (Hape !). Oder einfach ein paar Tage allein in die Dünen setzen. Klappt alles, versprochen, nur nicht bange sein – „uns trennt nichts vom Paradies, außer unsrer Angst“.

P.S. 2: Wallraf-Richartz-Museum nicht vergessen, kostet ja nicht die Welt – und donnerstags ist bis 22 Uhr auf: paßt eigentlich immer.
 

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